BP, Shell, Esso und Co: Raus aus der Tiefsee!
Die Aktivisten haben zwischen zwei Bohrturm-Attrappen von vier Metern Höhe ein Banner gespannt mit der Warnung: "Deepwater Horizon immer wieder bei BP möglich" und "Deepwater Horizon auch bei Esso und Shell möglich - Raus aus der Tiefsee!". Nach Einsprüchen der Ölindustrie hob ein Bezirksgericht in Louisiana vergangene Woche das von US-Präsident Barack Obama verhängte Moratorium auf Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko auf.
"Die Ölkonzerne wollen keine Konsequenzen aus der Katastrophe ziehen. Sie dringen weiter in die Tiefsee vor, als wäre nichts geschehen", sagt Greenpeace-Ölexperte Jörg Feddern. "Das Maß ist endgültig voll. Die Grenze des technisch Machbaren ist erreicht."
Wie Shell-Chef Peter Voser erst kürzlich erklärte, will sein Konzern zukünftig verstärkt in der Tiefsee nach Öl bohren. BP-Deutschland äußert sich weder zum Unfall im Golf von Mexiko, noch dazu, ob der Konzern aus der Tiefsee-Ölförderung aussteigt. Auch der Esso-Konzern, eine Tochtergesellschaft von Exxon Mobil, hat sich bislang nicht zu seinen weltweiten Tiefseeprojekten geäußert. Greenpeace hat am Dienstag einen offenen Brief an alle in Deutschland vertretenen Ölkonzerne geschickt mit der Aufforderung, sich klar zu einem Rückzug aus diesen Projekten zu bekennen. "Was für BP gilt, gilt auch für die anderen Ölkonzerne. Die Ölausbeutung in der Tiefsee ist nicht beherrschbar", erklärt Feddern. "Sie bedroht Mensch und Natur und wirkt sich im Unglücksfall verheerend auf das Meer und seine Bewohner aus."
Ölkonzerne wollen weitermachen wie bisher
Es wird immer deutlicher, dass es keine ausreichenden Notfallpläne für solche Katastrophen gibt. Seit mittlerweile zehn Wochen versucht BP vergeblich, den Ölaustritt aus dem Bohrloch im Macondo Ölfeld im Golf von Mexiko zu stoppen. Gleichzeitig werden die Zahlen des austretenden Öls ständig nach oben korrigiert. Inzwischen spricht man von offizieller Seite von bis zu 9.500 Tonnen pro Tag. Damit wären seit dem Unglück vom 20. April zwischen 153.000 und 441.000 Tonnen Öl in den Golf von Mexiko ausgetreten. Zum Vergleich: Beim bisher schwersten Ölunfall in den USA, dem Tankerunglück der Exxon Valdez 1989 in Alaska, traten etwa 40.000 Tonnen Öl aus.
Bereits im Mai dokumentierte Greenpeace bei Überflügen von Öl- und Gas-Plattformen in der Nordsee Ölteppiche. Greenpeace kontrollierte 25 der rund 400 Förderanlagen. Besonders riskant ist die Ölförderung von BP mit Förderschiffen westlich der Shetland-Inseln in über 400 Metern Wassertiefe. Allein im Jahr 2007 kam es zu 515 Öl-Unfällen auf Plattformen im Nordost-Atlantik. Aufgrund der erschöpften Öl- und Gasfelder in der zentralen Nordsee dringen die Ölfirmen mit ihren Förderprojekten immer weiter in die Tiefseeregion des Nordost-Atlantiks vor. Gegen diese geplante Ausbeutung gingen Greenpeace-Aktivisten bereits 1997 mehrere Monate vor.
Quelle: Pressemeldung Greenpeace e. V.
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